Du stehst am Reformer, die Gruppe wartet, und du weißt: Diese Stunde hast du gut vorbereitet. Nicht weil du stundenlang recherchiert hast — sondern weil du ein System hast. Einen klaren Aufbau, der funktioniert, egal ob du 45, 60 oder 75 Minuten zur Verfügung hast.
Genau darum geht es in diesem Artikel. Kein theoretisches Konzept, sondern ein konkreter Leitfaden: Wie du eine Reformer-Gruppenklasse so planst, dass sie pädagogisch sinnvoll ist, zeitlich aufgeht und deine Teilnehmer:innen wirklich weiterbringt.
Warum die Struktur wichtiger ist als die Übungsauswahl
Viele Trainer:innen verbringen die meiste Vorbereitungszeit damit, neue Übungen zu suchen. Das verständliche Gefühl: Die Klasse soll abwechslungsreich bleiben, nichts soll sich wiederholen. Dabei ist die Struktur der Stunde entscheidender als die einzelnen Übungen darin.
Eine gut strukturierte Stunde mit bekannten Übungen wirkt besser als eine unstrukturierte Stunde mit spektakulären Bewegungen. Deine Teilnehmer:innen spüren den Unterschied — auch wenn sie ihn nicht benennen können.
„Eine Stunde ohne Struktur ist wie ein Rezept ohne Reihenfolge. Die Zutaten mögen stimmen — aber das Ergebnis ist Zufall."
Die vier Phasen einer Reformer-Gruppenklasse
Jede Reformer-Stunde, egal wie lang, folgt vier Phasen. Diese Phasen sind nicht willkürlich — sie entsprechen der physiologischen Logik des Körpers und der pädagogischen Logik des Lernens.
Phase 1: Ankommen und Vorbereitung
Die ersten Minuten am Reformer gehören der Orientierung. Deine Teilnehmer:innen kommen aus dem Alltag — sie brauchen Zeit, um in den Körper zu kommen, bevor sie ihn fordern.
Was in diese Phase gehört:
- Atemarbeit im Liegen oder Sitzen — Körperwahrnehmung aktivieren
- Sanfte Spine Articulation (Pelvic Curl, Shoulder Bridge Vorbereitung)
- Fußbar-Position und Federkonfiguration bewusst einrichten lassen
Zeitrahmen: 8–12 Minuten bei 60-Min-Klasse, 5–8 Minuten bei 45-Min-Klasse.
Phase 2: Warm-up und Mobilisierung
Jetzt bringst du Bewegung ins System. Die Wirbelsäule wird artikuliert, die Hüftbeuger und die Schulterregion mobilisiert. Diese Phase dient nicht nur der Vorbereitung auf den Hauptteil — sie gibt dir als Trainer:in wertvolle Informationen über den Zustand deiner Gruppe heute.
Typische Übungen für diese Phase:
- Footwork-Serie (Parallele, V-Position, Heels) — 1–2 Federn
- Hundreds Vorbereitung oder leichte Abdominal-Arbeit
- Arm-Circles oder Overhead in Rückenlage
Zeitrahmen: 10–15 Minuten. Diese Phase ist die häufigste Abkürzungs-Falle: Wenn du sie zu kurz hältst, rächt es sich im Hauptteil.
Phase 3: Hauptteil mit Stundenthema
Hier findet die eigentliche Arbeit statt. Wähle ein klares Stundenthema — zum Beispiel Hüftöffnung, Rotationsstabilität oder Schulterintegration — und baue deine Übungen so auf, dass sie dieses Thema progressiv vertiefen.
Das Stundenthema gibt dir als Trainer:in Orientierung und deinen Teilnehmer:innen Kohärenz. Sie merken, dass die Stunde eine innere Logik hat — und das erhöht das Vertrauen in dich und den Prozess.
Wichtige Prinzipien für den Hauptteil:
- Progression innerhalb des Themas: Beginne mit vertrauten Mustern, steigere die Komplexität schrittweise
- Federwechsel bewusst planen: Notiere sie im Stundenplan — spontane Federwechsel kosten Zeit und unterbrechen den Fluss
- Platz für eine Schlüsselübung: Jede Stunde sollte eine Übung haben, der du besondere Aufmerksamkeit widmest — mit detailliertem Cueing und Zeit für Korrekturen
Zeitrahmen: 20–30 Minuten, je nach Gesamtdauer.
Phase 4: Cool-down und Integration
Diese Phase wird am häufigsten abgekürzt — ein Fehler. Der Cool-down ist kein optionaler Bonus, sondern ein pädagogisch notwendiger Abschluss. Der Körper braucht Zeit, das Erlernte zu integrieren.
Was in diese Phase gehört:
- Stretching der während der Stunde beanspruchten Muskelgruppen
- Entspannungsarbeit am Reformer (z. B. Mermaid, Spine Stretch)
- Ein abschließender Moment der Körperwahrnehmung — Vergleich Anfang/Ende
Zeitrahmen: 8–12 Minuten. Kürzer als das wirkt hastig und lässt deine Teilnehmer:innen mit einem unvollständigen Gefühl zurück.
Zeitplanung für verschiedene Stundenformate
Hier eine konkrete Aufteilung für die drei häufigsten Formate:
45-Minuten-Klasse
- Ankommen: 5 Min.
- Warm-up: 8 Min.
- Hauptteil: 22 Min.
- Cool-down: 8 Min. (nicht kürzen)
60-Minuten-Klasse
- Ankommen: 8 Min.
- Warm-up: 12 Min.
- Hauptteil: 28 Min.
- Cool-down: 10 Min.
75-Minuten-Klasse
- Ankommen: 10 Min.
- Warm-up: 15 Min.
- Hauptteil: 35 Min.
- Cool-down: 12 Min.
Diese Aufteilungen sind Orientierungswerte, keine Gesetze. Aber sie helfen dir, ein inneres Timing zu entwickeln — das Gefühl für den Rhythmus einer Stunde, das erfahrene Trainer:innen auszeichnet.
Übungsauswahl: So triffst du gute Entscheidungen
Wie viele Übungen passen in eine Stunde? Die Faustregel: Weniger als du denkst. Eine 60-Minuten-Klasse schafft realistisch 10–14 verschiedene Übungen — inklusive Variationen und Seiten. Wer 20 Übungen plant, hetzt durch die Stunde und lässt keine Tiefe entstehen.
Drei Fragen, die deine Übungsauswahl leiten sollten:
- Dient diese Übung dem Stundenthema? Wenn nicht, streiche sie oder verschiebe sie in eine andere Stunde.
- Habe ich eine Regression und eine Progression vorbereitet? Besonders in gemischten Gruppen unverzichtbar.
- Kenne ich den häufigsten Fehler bei dieser Übung — und mein Cue dagegen? Das ist die Vorbereitung, die in der Klasse tatsächlich hilft.
Der häufigste Planungsfehler
Du weißt jetzt, wie eine Stunde strukturiert wird. Aber der häufigste Fehler liegt nicht in der Struktur — er liegt im Zeitaufwand für die Planung selbst.
Wer jede Woche eine neue Stunde von Grund auf plant, verliert wertvolle Stunden, die besser ins Unterrichten fließen würden. Professionelle Trainer:innen nutzen Systeme: Vorlagen, Konzepte, Pläne, die als Basis dienen und individuell angepasst werden.
Genau das ist die Idee hinter Pilates Plans. Jede Woche ein fertiges Reformer-Stundenkonzept, das die pädagogische Struktur mitbringt, die Federkonfigurationen notiert und Progressionen vorschlägt. Du passt es an deine Gruppe an — aber das Fundament steht bereits.
Wenn du mehr über die Grundprinzipien des spinalen Aufbaus im Pilates lesen möchtest, findest du hier einen weiterführenden Artikel.
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