Du stehst neben dem Reformer und sagst „nimm mal eine Feder weg" — und drei Teilnehmerinnen nehmen die falsche. Eine fragt, welche denn genau. Die Stunde steht. Und du merkst: Du weißt selbst nicht ganz genau, warum es diese eine Feder sein muss.
Willkommen im Thema, über das in kaum einer Ausbildung genug geredet wird.
Kurz gesagt: Federn sind kein Schwierigkeitsregler, sondern ein Werkzeug. Sie geben Widerstand oder Unterstützung — je nachdem, in welche Richtung gearbeitet wird. Schwere Last gehört zu Beinarbeit wie Footwork, leichte Last zu Stabilitäts- und Armarbeit. Und weil die Federfarben je nach Hersteller etwas anderes bedeuten, planst du am besten in leicht, mittel und schwer.
Die Übersicht: Welche Last für welche Übungsgruppe
Diese Tabelle ist dein Ausgangspunkt — nicht das Gesetz. Sie zeigt, wo die meisten Übungsgruppen sinnvoll starten. Die Angabe „Federn" bezieht sich auf ein Gerät mit vier bis fünf Federn, wobei eine schwere Feder als eine volle Last zählt.
| Übungsgruppe | Last | Typisch | Warum |
|---|---|---|---|
| Footwork | schwer | 3–4 Federn | Beine sind stark, der Wagen soll geführt bleiben |
| Feet in Straps | leicht bis mittel | 1–2 Federn | Hüftarbeit — das Becken soll ruhig bleiben |
| Arms in Straps (Rückenlage) | sehr leicht | 0,5–1 Feder | Schulterblatt-Rhythmus statt Armkraft |
| Long Stretch Series | leicht bis mittel | 1–2 Federn | Weniger Feder = weniger Rückhalt = mehr Rumpf |
| Knee Stretches | mittel | 1,5–2 Federn | Tempo braucht etwas Führung |
| Stomach Massage | mittel bis schwer | 2–3 Federn | Im Prinzip Footwork im Sitzen |
| Short Box | Wagen fixiert | 1 schwere Feder | Die Feder hält den Wagen still, sie ist kein Widerstand |
| Pulling Straps (Long Box) | leicht | 0,5–1 Feder | Rückenstrecker, keine Latzug-Übung |
| Mermaid, Side Overs | leicht | 0,5–1 Feder | Dehnung braucht keinen Widerstand |
| Elephant, Down Stretch | mittel | 1–2 Federn | Genug Rückhalt für die Rückseite |
| Side Splits, Standing Work | mittel bis schwer | 2–3 Federn | Sicherheit — der Wagen darf nicht wegrutschen |
| Jumpboard, Running | mittel bis schwer | 2–3 Federn | Die Federn müssen die Landung abfangen |
Wenn du diese Tabelle einmal verstanden hast, brauchst du sie nicht mehr. Denn dahinter steht eine einzige Logik — und die schauen wir uns jetzt an.
Was Federn eigentlich tun
Die meisten von uns haben Federn zuerst als Gewicht gelernt: mehr Federn, mehr Anstrengung. Das stimmt aber nur für die Hälfte aller Übungen.
Eine Feder zieht den Wagen immer in eine Richtung: zurück zum Fußbrett. Ob das für deine Teilnehmerin schwer oder leicht ist, hängt davon ab, wohin sie sich bewegt.
- Sie arbeitet gegen die Feder — zum Beispiel bei Footwork, wenn sie den Wagen wegschiebt. Dann ist die Feder Widerstand. Mehr Federn heißt mehr Arbeit.
- Sie arbeitet mit der Feder — zum Beispiel bei Feet in Straps, wenn die Beine wieder zur Mitte kommen. Dann ist die Feder Unterstützung. Mehr Federn heißt weniger Arbeit.
- Sie hält gegen die Feder — zum Beispiel im Long Stretch, wenn der Wagen ausgefahren draußen steht. Dann ist die Feder Rückhalt. Weniger Federn heißt mehr Arbeit für den Rumpf.
„Die Feder ist nicht das Gewicht. Die Feder ist die Richtung, aus der die Herausforderung kommt."
Damit hast du das Werkzeug, um jede neue Übung selbst einzuordnen: Frag dich einfach, ob die Feder gerade zieht, trägt oder hält.
Warum leichter oft schwerer ist
Das ist die Erkenntnis, die deinen Unterricht am meisten verändert — und die deine Teilnehmer:innen am häufigsten überrascht.
Nimm den Long Stretch. Auf zwei Federn hält dich der Wagen mit; die Position ist stabil, du kannst dich hineinlehnen. Nimm eine Feder weg, und plötzlich muss der Rumpf die ganze Arbeit machen, damit der Wagen nicht davonläuft. Gleiche Übung, deutlich mehr Anforderung.
Dasselbe gilt für Knee Stretches, Arms in Straps, Pulling Straps und alles, was in der Verlängerung des Körpers passiert. Wenn du also eine Übung schwerer machen willst, ist die erste Frage nicht „mehr Federn?", sondern: „Wird hier gedrückt oder gehalten?"
Der Satz, der das in der Stunde erklärt: „Ich nehme dir jetzt eine Feder weg — das wird nicht leichter, sondern anders. Der Wagen hilft dir gleich weniger."
Warum du dich auf die Farben nicht verlassen kannst
Federfarben sind keine Norm. Sie bedeuten bei jedem Hersteller etwas anderes, und viele Studios haben Geräte von zwei Marken im selben Raum stehen.
- Balanced Body: Rot ist die volle Feder, Blau etwa die halbe, Gelb ungefähr ein Viertel bis ein Drittel.
- Merrithew/STOTT: Rot ist die schwere Feder, Blau die mittlere, Gelb die leichte.
- Andere Hersteller: eigene Systeme, teils mit zusätzlichen Farben oder mit Zahlen statt Farben.
Deshalb der wichtigste praktische Tipp dieses Artikels: Schreib deine Stundenpläne in leicht, mittel, schwer — nicht in Farben. Dann funktioniert derselbe Plan im Studio A und im Studio B, und du musst nicht umdenken, wenn du vertretungsweise woanders unterrichtest.
Und wenn du auf einem fremden Gerät stehst: Setz dich vor der Stunde selbst darauf und mach zwei Footwork-Wiederholungen mit der Einstellung, die du geplant hast. Zehn Sekunden, und du weißt, ob dein Plan passt. Genau solche Kleinigkeiten machen den Unterschied — mehr davon in den häufigsten Planungsfehlern neuer Trainer:innen.
Federn in der Gruppenstunde: planen statt einstellen
Einzelstunde und Gruppenstunde sind bei diesem Thema zwei verschiedene Sportarten. In der Einzelstunde stellst du selbst um. In der Gruppe mit zwölf Leuten kostet jeder Wechsel Zeit, Aufmerksamkeit und Energie — und irgendwer hat am Ende immer die falsche Feder drin.
Denk in Federblöcken. Statt Übung für Übung zu planen, gruppierst du alles, was auf derselben Last läuft. Eine 60-Minuten-Stunde könnte so aussehen:
| Block | Last | Inhalt | Dauer |
|---|---|---|---|
| 1 | schwer | Footwork komplett | 8 Min. |
| 2 | leicht | Feet in Straps, Arms in Straps | 12 Min. |
| 3 | Wagen fixiert | Short Box Serie | 8 Min. |
| 4 | mittel | Long Stretch, Knee Stretches | 12 Min. |
| 5 | mittel bis schwer | Standing Work, Running | 10 Min. |
| 6 | leicht | Mermaid, Abschluss | 6 Min. |
Fünf Wechsel statt fünfzehn. Das ist der ganze Trick.
Sag Wechsel immer gleich an. Ein festes Muster spart dir jedes Mal Sekunden: erst die neue Einstellung, dann die Handlung, dann die nächste Übung. Also: „Wir gehen auf eine leichte Feder — rote raus, blaue bleibt. Dann leg dich lang hin." Nicht umgekehrt, sonst bewegen sich alle, bevor sie wissen, wohin.
Nutz die Wechselzeit. Dreißig Sekunden Umbau sind der perfekte Moment für einen Hinweis zur nächsten Übung, eine Wasserpause oder eine kurze Korrektur bei einer Person. Was du nicht machen solltest: schweigend danebenstehen und warten. Wie du solche Übergänge insgesamt ruhiger führst, steht in Reformer-Gruppen unterrichten.
Federn als Level-Werkzeug in gemischten Gruppen
Der eleganteste Einsatz von Federn: Alle machen dieselbe Übung, aber nicht alle auf derselben Last. Das hält deine Stunde optisch zusammen und trifft trotzdem jedes Level.
- Bei Widerstandsübungen (Footwork, Stomach Massage): Weniger Federn für Einsteiger:innen, mehr für Erfahrene.
- Bei Stabilitätsübungen (Long Stretch, Knee Stretches): Genau andersherum — mehr Federn für Einsteiger:innen, weniger für Erfahrene.
- Bei Straps-Arbeit: Für alle leicht. Hier ist die Bewegungsqualität das Level, nicht die Last.
Damit brauchst du für gemischte Gruppen keine zwei Stundenpläne mehr. Mehr dazu in Mixed-Level-Klassen meistern.
Drei Fehler, die fast alle machen
1. Zu schwer im Warm-up. Die Muskulatur ist noch kalt, und schwere Federn erzeugen sofort Ausweichbewegungen, die du dann die ganze Stunde korrigierst. Starte leicht — wie ein sauberes Reformer-Warm-up aufgebaut ist, steht hier.
2. Federn als Belohnung. „Wer mag, nimmt noch eine Feder dazu" klingt motivierend, macht aber aus einer Einstellungsfrage einen Wettbewerb. Sag stattdessen, was die zusätzliche Feder bewirkt — und lass die Leute entscheiden.
3. Die Feder nie erklären. Wenn deine Gruppe versteht, warum die Last wechselt, stellt sie selbstständig richtig ein. Ein Satz pro Wechsel reicht: „Leichter, weil dein Rumpf jetzt mehr halten soll."
Häufige Fragen
Welche Federeinstellung brauche ich für Footwork?
Schwer — je nach Gerät 3 bis 4 Federn beziehungsweise 2,5 bis 3 volle Federstärken. Die Beine sind stark, und der Widerstand hält den Wagen geführt. Weniger Federn machen Footwork nicht schwerer, nur wackeliger.
Sind mehr Federn immer schwerer?
Nein. Bei Übungen, in denen gedrückt wird, ja. Bei Übungen, in denen gehalten wird — Long Stretch, Knee Stretches, Arms in Straps — ist weniger Feder deutlich anspruchsvoller.
Was bedeuten die Federfarben?
Das ist herstellerabhängig. Bei Balanced Body ist Rot voll, Blau halb, Gelb ein Viertel bis ein Drittel. Bei Merrithew/STOTT ist Rot schwer, Blau mittel, Gelb leicht. Plane deshalb in leicht, mittel und schwer statt in Farben.
Wie viele Federwechsel sollte eine Gruppenstunde haben?
Sechs bis acht in 60 Minuten. Jeder Wechsel kostet in einer größeren Gruppe 30 bis 45 Sekunden — plane deshalb in Federblöcken, in denen mehrere Übungen auf derselben Last laufen.
Federn sind Teil des Stundenplans, nicht der Improvisation
Jede Woche ein fertiges Reformer-Stundenbild von uns — inklusive Federeinstellung pro Übung, in leicht, mittel und schwer notiert, damit es auf jedem Gerät funktioniert. Mit Thema, Phasen, Cues und Varianten für gemischte Level.
Ein vollständiges Stundenbild bekommst du gratis.


