Cueing

5 Cueing-Fehler, die selbst erfahrene Trainer:innen machen.

Von Marie Wernicke · 20. Februar 2026 · 7 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 17. September 2026

5 Cueing-Fehler, die selbst erfahrene Trainer:innen machen.

Du unterrichtest seit drei Jahren. Deine Übungsauswahl sitzt, dein Timing auch. Und trotzdem merkst du: Manche Cues, die früher funktioniert haben, verpuffen inzwischen.

Das passiert nicht, weil du schlechter geworden bist. Es passiert, weil sich Cueing-Fehler mit der Zeit einschleichen — leise, unbemerkt, oft genau dort, wo du dich am sichersten fühlst.

Kurz gesagt: Fünf Fehler schleichen sich bei erfahrenen Trainer:innen am häufigsten ein — zu viele Cues auf einmal, anatomische statt gefühlter Sprache, immer dieselben Formulierungen, falsches Timing und fehlendes Feedback nach dem Cue. Jeder einzelne lässt sich schon in der nächsten Stunde korrigieren.

Fehler 1: Zu viel auf einmal

„Zieh den Bauch ein, halte die Schultern unten, strecke das Bein lang, atme aus und dreh den Blick nach oben." Fünf Anweisungen, ein Atemzug. Niemand verarbeitet das gleichzeitig — auch erfahrene Teilnehmer:innen nicht.

Das Tückische: Dieser Fehler passiert gerade erfahrenen Trainer:innen, weil sie mehr sehen. Du bemerkst fünf Dinge, die verbessert werden könnten, und willst sie alle ansprechen. Wähle stattdessen einen Fokus pro Übung — den wichtigsten — und halte dich daran, auch wenn vier andere Dinge in deinem Kopf nach Aufmerksamkeit rufen.

Fehler 2: Anatomische Sprache statt Erfahrungssprache

„Aktiviere den M. transversus abdominis" bewirkt in den meisten Gruppen gar nichts. Die wenigsten haben Anatomie studiert, und ein lateinischer Muskelname erzeugt kein Körpergefühl.

„Stell dir vor, du ziehst einen Reißverschluss von der Hüfte zur Rippe" schafft dagegen eine innere Bewegung — auch ohne Vorwissen. Frag dich bei jedem Cue: Was soll die Person fühlen? Und baue das Bild um diese Empfindung herum, nicht um den Muskel dahinter.

„Cueing ist Kommunikation, keine Vorlesung."

Wie du systematisch von anatomischen zu erfahrungsbasierten Cues wechselst, in welcher Reihenfolge das sinnvoll ist und was noch dazugehört, steht ausführlich im Pilates-Cueing-Guide.

Fehler 3: Immer dieselben Formulierungen

„Bauch rein" ist der meistgebrauchte Pilates-Cue — und der am meisten überhörte. Wenn du jede Stunde dieselben Worte benutzt, schaltet die Gruppe irgendwann ab. Das Gehirn gewöhnt sich an wiederkehrende Reize und reagiert schwächer darauf.

  • Statt „Bauch rein": „Schaff Raum zwischen Rippen und Hüfte"
  • Statt „Schultern runter": „Lass die Schulterblätter in deinen Rücken schmelzen"
  • Statt „Atme aus": „Schick den Atem durch den Rücken hinaus"

Fehler 4: Cues ohne Timing

Der beste Cue zur falschen Zeit wirkt nicht. Mitten in der Anstrengung ist das Nervensystem mit der Bewegung selbst beschäftigt — für neue Information bleibt kein Raum.

Gib deinen Cue kurz bevor die Aktion passiert, nicht mittendrin. Das Gehirn braucht einen Moment, um Sprache in Bewegung zu übersetzen. Kommt der Cue zu spät, ist die Bewegung schon vorbei, bevor die Korrektur ankommt. Warum genau dieses Timing-Problem so viele Cues unbrauchbar macht, auch wenn sie inhaltlich richtig sind, erklärt der Artikel zu Cues, die nicht ankommen.

Fehler 5: Kein Feedback nach dem Cue

Du gibst einen Cue — und schaust schon zur nächsten Person. Was fehlt, ist die Beobachtung: Hat sich überhaupt etwas verändert?

Wenn nicht, braucht es einen anderen Ansatz, nicht denselben Cue lauter. Das ist der Fehler, der am schwersten zu bemerken ist, weil er eine Unterlassung ist — du merkst nicht, was du nicht getan hast. Nimm dir für eine Stunde bewusst vor, nach jedem Cue zwei Sekunden zu warten und wirklich hinzuschauen, bevor du weitersprichst.

Warum diese Fehler sich gerade bei Erfahrenen einschleichen

Alle fünf haben eine Gemeinsamkeit: Sie entstehen aus Routine, nicht aus Unwissen. Du weißt, wie gutes Cueing geht — aber unter Zeitdruck, bei der zehnten Stunde der Woche, greifst du auf das Bequeme zurück statt auf das Wirksame.

Deshalb hilft gegen diese Fehler kein neues Wissen, sondern eine kleine Routine: Wähl für deine nächste Stunde eine einzige Übung aus und cue sie bewusst nach diesen fünf Punkten. Ein Fokus, ein Bild statt eines Fachbegriffs, eine frische Formulierung, richtiges Timing, und danach wirklich hinschauen.

Wenn du dein Cueing systematisch von Grund auf trainieren willst, nicht nur Fehler ausbessern, findest du im Artikel zum Cueing lernen konkrete Übungen dafür — für den Anfang genauso wie für Trainer:innen, die schon lange dabei sind.

Gutes Cueing ist ein Handwerk, das nie fertig gelernt ist. Mit jedem Cue lernst du etwas über deine Gruppe — und über dich als Trainer:in.


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Häufige Fragen

Wie viele Cues sollte ich pro Übung geben?
Einen Fokus, und dabei bleibst du. Niemand verarbeitet fünf Anweisungen gleichzeitig — Bauch rein, Schultern unten, Bein lang, ausatmen, Blick nach oben kommt als Rauschen an. Cueing ist Kommunikation, keine Vorlesung.

Warum wirken anatomische Cues nicht?
Weil die wenigsten Gruppen Anatomie gelernt haben. „Aktiviere den M. transversus abdominis" bewirkt nichts, „zieh einen Reißverschluss von der Hüfte zur Rippe" erzeugt eine innere Bewegung. Frag dich, was die Person fühlen soll, und bau dein Cue um diese Empfindung herum.

Wann im Bewegungsablauf gebe ich ein Cue?
Kurz bevor die Aktion passiert, nicht mitten darin. Das Gehirn braucht Zeit, Sprache in Bewegung zu übersetzen — deshalb wirkt auch der beste Cue zur falschen Zeit einfach nicht.

Was mache ich, wenn ein Cue nicht ankommt?
Den Ansatz wechseln, nicht die Lautstärke. Denselben Cue lauter zu wiederholen hilft selten. Und schau überhaupt erst hin, ob sich etwas verändert hat — wer nach dem Cue sofort zur nächsten Person blickt, erfährt es nie.

Warum schleichen sich Cueing-Fehler gerade bei erfahrenen Trainer:innen ein?
Weil sie aus Routine entstehen, nicht aus Unwissen. Unter Zeitdruck greifst du auf das Bequeme zurück statt auf das Wirksame — denselben Cue, dieselbe Formulierung, denselben Zeitpunkt. Dagegen hilft keine neue Theorie, sondern eine Stunde, in der du bewusst nach diesen fünf Punkten cuest.

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Autorin

Marie Wernicke

Zertifizierte Pilates-Trainerin mit Leidenschaft für Methodik und evidenzbasiertes Unterrichten. Alle Artikel und Schwerpunkte

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