Cueing ist Kunst und Wissenschaft zugleich. Die besten Trainer:innen wissen: Ein einziges Bild kann mehr bewirken als fünf anatomische Erklärungen. Aber schlechtes Cueing kann Bewegung verhindern statt ermöglichen — manchmal ohne dass du es merkst.
Fehler 1: Zu viel auf einmal
„Zieh den Bauch ein, halte die Schultern unten, strecke das Bein lang, atme aus und drehe den Blick nach oben." Niemand kann fünf Anweisungen gleichzeitig verarbeiten. Wähle einen Fokus pro Übung — und halte dich daran.
Fehler 2: Anatomische Sprache statt Erfahrungssprache
„Aktiviere den M. transversus abdominis" bewirkt in den meisten Gruppen gar nichts. „Stell dir vor, du ziehst einen Reißverschluss von der Hüfte zur Rippe" hingegen schafft eine innere Bewegung — auch ohne Anatomie-Studium.
„Cueing ist Kommunikation, keine Vorlesung."
Die Lösung: Erfahrungsbasierte Bilder
Frage dich: Was soll die Person fühlen? Baue dein Cue um diese Empfindung herum. Taktile, räumliche und metaphorische Cues erreichen dort, wo verbale Anweisung versagt.
Fehler 3: Immer dieselben Formulierungen
„Bauch rein" ist der meistgebrauchte Pilates-Cue — und der am meisten missverstandene. Wenn du immer dieselben Worte verwendest, hören deine Teilnehmer:innen irgendwann weg. Variiere. Überrasche. Halte die Aufmerksamkeit lebendig.
- Statt „Bauch rein": „Schaff Raum zwischen Rippen und Hüfte"
- Statt „Schultern runter": „Lass die Schulterblätter in deinen Rücken schmelzen"
- Statt „Atme aus": „Schick den Atem durch den Rücken hinaus"
Fehler 4: Cues ohne Timing
Der beste Cue zur falschen Zeit wirkt nicht. Gib dein Cue im richtigen Moment der Bewegung — idealerweise kurz bevor die Aktion passiert, nicht mitten darin. Dein Gehirn braucht Zeit, um Sprache in Bewegung zu übersetzen.
Fehler 5: Kein Feedback nach dem Cue
Du gibst einen Cue — und schaust dann schon zur nächsten Person. Beobachte stattdessen, ob dein Cue wirkt. Hat sich etwas verändert? Wenn nicht, braucht es einen anderen Ansatz — nicht denselben Cue lauter.
Gutes Cueing ist ein Handwerk, das nie fertig gelernt ist. Mit jedem Cue lernst du etwas über deine Gruppe — und über dich als Trainer:in.
Was gutes Pilates Cueing grundsätzlich ausmacht — von Motor-Imagery bis zur Kraft der Stille — erklärt der Artikel Pilates Cueing Tipps: warum deine Stimme alles verändert.
Häufige Fragen
Wie viele Cues sollte ich pro Übung geben?
Einen Fokus, und dabei bleibst du. Niemand verarbeitet fünf Anweisungen gleichzeitig — Bauch rein, Schultern unten, Bein lang, ausatmen, Blick nach oben kommt als Rauschen an. Cueing ist Kommunikation, keine Vorlesung.
Warum wirken anatomische Cues nicht?
Weil die wenigsten Gruppen Anatomie gelernt haben. „Aktiviere den M. transversus abdominis" bewirkt nichts, „zieh einen Reißverschluss von der Hüfte zur Rippe" erzeugt eine innere Bewegung. Frag dich, was die Person fühlen soll, und bau dein Cue um diese Empfindung herum.
Wann im Bewegungsablauf gebe ich ein Cue?
Kurz bevor die Aktion passiert, nicht mitten darin. Das Gehirn braucht Zeit, Sprache in Bewegung zu übersetzen — deshalb wirkt auch der beste Cue zur falschen Zeit einfach nicht.
Was mache ich, wenn ein Cue nicht ankommt?
Den Ansatz wechseln, nicht die Lautstärke. Denselben Cue lauter zu wiederholen hilft selten. Und schau überhaupt erst hin, ob sich etwas verändert hat — wer nach dem Cue sofort zur nächsten Person blickt, erfährt es nie.



