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Stundenkonzepte

Reformer-Stundenbild für Anfänger: Die ganze Stunde, Minute für Minute.

Von Marie Wernicke · 15. September 2026 · 7 Min. Lesezeit

Reformer-Stundenbild für Anfänger: Die ganze Stunde, Minute für Minute.

Donnerstag, 18 Uhr: acht Anmeldungen, alle zum ersten Mal auf einem Reformer. Dein Plan ist deine normale Stunde, nur mit leichteren Federn und etwas langsamer.

So planen viele neue Trainer:innen ihre erste Anfängergruppe. Und genau so geht sie in den ersten fünf Minuten schief. Nicht, weil die Übungen zu schwer sind. Sondern weil niemand im Raum weiß, was die Fußstange macht, wofür die Schlaufen da sind und ob der Wagen vom Rahmen rollen kann.

Kurz gesagt: Ein Reformer-Stundenbild für Anfänger braucht eine längere Ankommensphase, einen Hauptteil statt zwei, eine Federeinstellung für fast die ganze Stunde und ein Thema, das in einen Satz passt. Unten steht eine komplette 45-Minuten-Stunde nach diesem Prinzip. Dazu, was du ganz weglässt und wie die Stunde über vier Wochen wächst.

Ein Wort vorab: Hier geht es um eine Gruppe, in der alle neu sind. Kommt nur eine Person neu in eine laufende Gruppe, ist das eine andere Aufgabe. Dafür gibt es den Artikel Neue Teilnehmer:innen an den Reformer heranführen.

Was an einer echten Anfängergruppe anders ist

Drei Dinge ändern sich. Und keins davon heißt „mach es leichter".

  • Orientierung braucht echte Zeit. Fußstange, Schlaufen, Wagen: Das zu erklären ist keine Vorrede. Es ist die erste Phase der Stunde.
  • Federwechsel kosten mehr. In einer erfahrenen Gruppe ist ein Wechsel eine kurze Pause. In einer Anfängergruppe ist es der Moment, in dem drei Leute leise den Anschluss verlieren. Also so wenige wie möglich.
  • Immer nur eine Sache. Wer den Reformer kennt, kann einen Atem-Cue und einen Ausrichtungs-Cue gleichzeitig umsetzen. Wer zum ersten Mal drauf liegt, meistens nicht. Also: ein Cue, schauen, dann entscheiden, ob ein zweiter nötig ist.
„Eine Anfängerstunde ist nicht deine normale Stunde mit weniger Lautstärke. Sie hat einen eigenen Aufbau, weil der Raum ein anderes Problem löst."

Das komplette Stundenbild: 45 Minuten, sechs Phasen

Das Thema ist Beckenstabilität, auf Deutsch: Das Becken bleibt ruhig, während die Beine arbeiten. Die Federeinstellung sind drei mittlere Federn, von der ersten bis zur vorletzten Übung. Erst für die Dehnung am Schluss wechselst du.

ZeitPhaseÜbungFedernWdh.Cue-Fokus
0–5 Min.1. AnkommenOrientierung: auf den Wagen setzen, Fußstange, Schlaufen und Rahmen zeigen; dann Atmung in Rückenlage4 Atemzüge„Der Wagen kann nicht vom Rahmen rollen." Zeig den Anschlag.
5–9 Min.2. Beine aufwärmenFootwork parallel3 mittel8„Drück durch den ganzen Fuß, nicht nur durch den Ballen."
9–13 Min.2. Beine aufwärmenFootwork auf den Fersen3 mittel8„Die Ferse arbeitet, die Zehen haben Pause."
13–18 Min.3. WirbelsäuleBridging mit Wagen3 mittel6„Ein Wirbel nach dem anderen. Das Abrollen hat Zeit."
18–23 Min.4. Becken und HüfteFootwork, Füße weit auseinander3 mittel6„Die Knie zeigen über die mittleren Zehen."
23–28 Min.4. Becken und HüfteSpine Twist in Rückenlage, kleiner Radius3 mittel5 pro Seite„Die Knie bleiben zusammen, die Rippen bleiben schwer."
28–34 Min.4. Becken und HüfteFeet in Straps: Kreise mit beiden Beinen3 mittel5 pro Richtung„Kleine Kreise. Sauber vor groß."
34–39 Min.5. SchlüsselübungHundred-Vorbereitung, Füße auf der Fußstange3 mittelAufbau bis 40 Zählzeiten„Ausatmen, wenn die Arme nach unten drücken. Einatmen zum Lösen."
39–45 Min.6. AbschlussMermaid im Sitzen, dann Schlussatmung1 leicht4 pro Seite, 3 Atemzüge„Erst nach oben lang werden, dann zur Seite."

Neun Übungen, ein einziger echter Federwechsel, ganz am Ende. Der ist Absicht: Beim Mermaid sieht jede sofort, warum es leichter wird. Eine Dehnung braucht keinen Widerstand. So verwirrt der Wechsel niemanden.

Ein Hinweis zu den Feet in Straps: Drei mittlere Federn sind dafür mehr, als du es aus deinen normalen Stunden kennst. Hier trägt die Feder die Beine zurück, mehr Feder heißt also mehr Unterstützung. Das passt zu einer Gruppe, die zum ersten Mal in den Schlaufen liegt, und es spart dir den Wechsel. Zieht es jemandem dabei das Becken vom Wagen, werden die Kreise kleiner. Wie Federn ziehen, tragen oder halten, steht ausführlich im Artikel über die Federeinstellung am Reformer.

Warum die Orientierung fünf Minuten dauert, nicht zwei

Zwei Minuten reichen, um die Wörter zu sagen. Fünf Minuten reichen, damit jede Person einmal die Hand auf den Rahmen legt, den Wagen unter leichtem Druck rollen spürt und den Respekt vor dem Gerät verliert. Alles danach geht schneller, wenn du hier nicht hetzt.

Davor steht nur noch deine Eröffnung: Name, Thema, ein Sicherheitshinweis, die Einladung, bei Beschwerden rauszugehen. Wie du die in etwa 60 Sekunden hinbekommst, steht in Deine erste Reformer-Stunde unterrichten.

Warum es keinen zweiten Hauptteil gibt

Eine erfahrene Gruppe kann ein Thema über zwei Übungsblöcke tragen. Eine Anfängergruppe lernt das Thema selbst erst kennen: ein ruhiges Becken, immer wieder, in wenigen Bewegungen. Ein zweiter Block mit neuen Übungen bringt Abwechslung, die diese Gruppe noch nicht braucht. Und er verwässert genau die Wiederholung, die sie braucht.

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Was du in Woche 1 komplett weglässt

Nicht anpassen, weglassen. Das hier gehört in die erste und zweite Anfängerstunde gar nicht rein:

  • Jumpboard. Es verlangt eine kontrollierte Landung, bevor die Gruppe weiß, wie sich „kontrolliert" auf diesem Gerät überhaupt anfühlt. Wann und wie du es später einführst, steht bei den Jumpboard-Übungen.
  • Einbeinige Übungen. Jede davon verdoppelt die Koordinationsaufgabe. Heb sie dir auf, bis die beidbeinige Footwork wirklich ruhig aussieht.
  • Stehen ohne Halt. Alles ohne Wagen oder Rahmen zum Festhalten nimmt Anfänger:innen den einzigen Bezugspunkt, den sie haben.
  • Federwechsel mitten in der Übung. Wenn eine Übung nur mit Wechsel in der Mitte funktioniert, nimm eine andere. Diese nicht, jedenfalls noch nicht.

Das hat nichts damit zu tun, was Anfänger:innen körperlich können. Es geht darum, wie viel Neues ein Kopf in 45 Minuten verarbeiten kann.

Wie dieselbe Stunde über vier Wochen wächst

Bau nicht jede Woche eine neue Stunde. Lass diese hier wachsen:

  • Woche 1 und 2: fast genau gleich. Dieselben neun Übungen, dieselben Federn. Vertrautheit ist hier das eigentliche Ziel. Eine Gruppe, die den Ablauf wiedererkennt, muss nicht mehr überlegen, was als Nächstes kommt. Sie kann anfangen zu spüren, was eine Übung macht.
  • Woche 3: mehr Bewegungsweg. Gleiche Übungen, die Footwork etwas weiter gestreckt, ein Kreis mehr in den Schlaufen. Dazu eine neue Übung: Armkreise in den Schlaufen, in Rückenlage. Setz sie direkt vor den Mermaid, dann läuft sie schon auf der leichten Feder und es bleibt bei einem Wechsel.
  • Woche 4: ein zweiter Federwechsel, eine erste einbeinige Übung. Eine einzige Übung bekommt eine eigene Federeinstellung. Und die erste einbeinige Footwork kommt dazu, das freie Bein bleibt dabei tief und gebeugt.

Nach vier Wochen hat die Gruppe ein echtes Fundament. Und du hast eine Stunde, die du nur einmal bauen musstest. Warum diese Art von Wiederholung kein Stillstand ist, steht bei den progressiven Übungsfolgen.

So passt du das Stundenbild an deine Gruppe an

Das hier ist ein Stundenbild, kein Skript. Was ein gutes Stundenbild ausmacht und wie du mit einem fertigen arbeitest, ohne es abzulesen, steht im Artikel über Pilates-Stundenbilder. Drei Stellen, an denen du drehen kannst:

  • Dein Studio hat 50 oder 55 Minuten? Gib die zusätzliche Zeit der Orientierung und dem Abschluss, nicht einer zehnten Übung.
  • Die Gruppe ist schneller als gedacht? Mehr Zählzeiten bei der Hundred-Vorbereitung, keine neue Übung.
  • Jemand kommt beim Bridging nicht hoch? Nur das Becken abrollen, der restliche Rücken bleibt liegen.

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Häufige Fragen

Was ist an einem Stundenbild für Anfänger anders?
Weniger Phasen, weniger Federwechsel und ein Hauptteil statt zwei. Dazu kommt eine längere Ankommensphase: Die Gruppe muss Fußstange, Schlaufen und Wagen erst kennenlernen, bevor sie dagegen arbeitet. Und das Thema ist einfacher, eine Idee statt mehrerer.

Was lasse ich in einer Anfängerstunde am Reformer komplett weg?
Jumpboard, einbeinige Übungen, Stehen ohne Halt und alles, was einen Federwechsel mitten in der Übung braucht. Nichts davon ist grundsätzlich gefährlich. Es ist nur zu viel neue Information für jemanden, der gerade erst lernt, wo der Wagen stoppt.

Welche Federn nutze ich in einer Anfängerstunde?
Eine Einstellung für fast die ganze Stunde, zum Beispiel drei mittlere Federn. Erst für die Dehnung am Schluss wechselst du auf eine leichte Feder. Weniger Wechsel heißt weniger Unterbrechungen, und davon profitiert eine Anfängergruppe mehr als eine erfahrene.

Wie entwickle ich ein Anfänger-Stundenbild über vier Wochen weiter?
In den ersten zwei Wochen bleiben die Übungen fast gleich, damit die Gruppe den Ablauf wirklich kennt. In Woche drei wird der Bewegungsweg größer und eine neue Übung kommt dazu. In Woche vier folgen ein zweiter Federwechsel und die erste einbeinige Übung. Das Gerüst bleibt, der Inhalt wächst langsam.

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Autorin

Marie Wernicke

Zertifizierte Pilates-Trainerin mit Leidenschaft für Methodik und evidenzbasiertes Unterrichten. Alle Artikel und Schwerpunkte

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Pilates Stundenbild für Anfänger: 45 Min. am Reformer